Welche neuen Diagnosen führt die ICD-11 auf?
(Übersicht als Lernliste – nach Bereichen sortiert)
A) Psychische, Verhaltens- und neuronale Entwicklungsstörungen
1) Verhaltenssüchte / Impulskontrolle
- Gaming-Störung (Computerspielsucht): Anerkennung exzessiven und problematischen Spielverhaltens.
- Zwanghaftes sexuelles Verhalten: Eigenständige Diagnose für schädigendes, übermäßiges sexuelles Verlangen und Verhalten.
2) Trauer / Trauma
- Anhaltende Trauerstörung (Prolonged Grief Disorder): Anhaltende, intensive Trauer über den Tod einer nahestehenden Person hinaus der normalen Trauerzeit.
- Komplexe posttraumatische Belastungsstörung (KPTBS): Ergänzend zur PTBS werden zusätzliche Symptome wie Schwierigkeiten in der Selbstorganisation (z. B. Emotionsregulation, Selbstwahrnehmung, Beziehungsgestaltung) berücksichtigt.
3) Zwangsnahe Störungsbilder
- Zwanghaftes Horten (Hoarding Disorder): Anhaltende Schwierigkeiten, Besitz loszuwerden – unabhängig vom tatsächlichen Wert.
- Exkoriationsstörung (Dermatillomanie): Wiederholtes, zwanghaftes Hautzupfen.
- Olfaktorische Referenzstörung (Olfactory Reference Disorder): Hartnäckige Beschäftigung mit dem Glauben, einen unangenehmen Körpergeruch auszuströmen, der für andere wahrnehmbar ist.
4) Körperbezogene Störungsbilder
- Körperintegritätsidentitätsstörung (Body Integrity Dysphoria): Wunsch eines gesunden Menschen nach Amputation oder anderen schweren körperlichen Veränderungen.
- Körperdysmorphe Störung: Intensivere und detailliertere Beschreibung als in der ICD-10.
5) Essstörungen
- Binge-Eating-Störung: Wiederholte Episoden von Essanfällen ohne kompensatorische Verhaltensweisen.
- Vermeidend-restriktive Essstörung (Avoidant-Restrictive Food Intake Disorder, ARFID): Essverhaltensstörung durch mangelndes Interesse, sensorische Vermeidung oder Sorge vor aversiven Folgen des Essens.
6) Weitere wichtige Ergänzungen / Präzisierungen
- Katatonie als eigenständige Diagnose: In der ICD-10 war Katatonie meist einer anderen psychischen Störung zugeordnet.
- Bipolare Störung Typ II: Wird nun explizit als eigene Kategorie geführt.
B) Andere Bereiche / neue Kapitel / Umklassifikationen
1) Burnout
- Burnout-Syndrom: In der ICD-11 als „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen oder Anlass zur Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten geben“ klassifiziert (nicht als psychische Störung), aber nun explizit aufgeführt.
2) Traditionelle Medizin
- Traditionelle Medizin: Neues Kapitel zur Klassifizierung von Diagnosen der traditionellen Medizin.
3) Sexuelle Gesundheit
- Sexuelle Gesundheit: „Störungen der Geschlechtsidentität“ wurde durch „Geschlechtsinkongruenz“ ersetzt und in ein neues Kapitel zur sexuellen Gesundheit verlagert (Entstigmatisierung).
Hinweis
Dies ist keine vollständige Liste. Die ICD-11 enthält weitere detaillierte Änderungen und neue Subkategorien. Ziel ist ein genaueres, umfassenderes Bild gesundheitlicher Herausforderungen sowie Verbesserungen in klinischer Versorgung und Forschung.
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