Unterschiede zwischen IDC 10 und IDC-11
Unterschiede zwischen ICD-10 und ICD-11
Einordnung, Hintergründe und zentrale Veränderungen
Kurze Einleitung
Mit der ICD-11 wurde die internationale Klassifikation der Krankheiten grundlegend überarbeitet. Neben strukturellen und technischen Neuerungen bringt sie insbesondere inhaltliche Veränderungen mit sich, die für therapeutische, diagnostische und dokumentarische Praxis relevant sind. Der folgende Überblick fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen ICD-10 und ICD-11 zusammen und ordnet sie praxisnah ein.
1. Grundlegende Struktur und Organisation
Die ICD-11 wurde von Beginn an digital konzipiert und unterscheidet sich deutlich im Aufbau von der ICD-10.
Statt 22 Kapiteln umfasst sie nun 26 Kapitel, darunter neue Bereiche wie traditionelle Medizin und sexuelle Gesundheit.
Das Kodiersystem wurde erweitert:
Während die ICD-10 mit alphanumerischen Codes von bis zu fünf Stellen arbeitet, erlaubt die ICD-11 bis zu sechs Stellen sowie sogenannte Cluster-Codes. Diese ermöglichen es, komplexe klinische Zustände differenzierter abzubilden.
Die digitale Plattformstruktur erleichtert internationale Vergleichbarkeit, Aktualisierungen und die Nutzung in Praxissoftware.
2. Zentrale inhaltliche Veränderungen in der Diagnostik
Im Vergleich zur ICD-10 verfolgt die ICD-11 einen deutlich funktionaleren und teilweise dimensionalen Ansatz. Statt starrer Kategorien rücken Schweregrad, Funktionsniveau und Verlaufsmerkmale stärker in den Vordergrund.
Wesentliche Beispiele:
- Autismus wird nicht mehr in einzelne Unterformen unterteilt, sondern als Spektrumdiagnose geführt.
- ADHS benötigt kein fixes Alterskriterium mehr, was die Diagnostik im Erwachsenenalter erleichtert.
- Schizophrenie wird ohne Subtypen klassifiziert, da diese klinisch als wenig valide gelten.
- Depressive Episoden werden stärker nach funktionaler Beeinträchtigung bewertet.
- Zwangsstörungen bilden erstmals ein eigenes Kapitel.
- Trauma- und Belastungsstörungen umfassen nun auch die komplexe PTBS als eigenständige Diagnose.
- Persönlichkeitsstörungen folgen einem dimensionalen Modell mit Schweregraden und Persönlichkeitsmerkmalen statt fixer Typen.
- Somatoforme Störungen wurden in „Bodily Distress Disorder“ überführt, um Stigmatisierung zu reduzieren.
Auch gesellschaftlich relevante Anpassungen sind enthalten:
Sexuelle Funktionsstörungen und Gender-Diagnosen gelten nicht mehr als psychische Störungen, sondern wurden in andere Kapitel verlagert.
3. Neue und überarbeitete Diagnosen
Die ICD-11 enthält neue Krankheitsbilder, die klinische Realität besser abbilden:
- Gaming Disorder als Verhaltenssucht
- Prolongierte Trauerstörung
- Zwanghaftes Sexualverhalten als Störung der Impulskontrolle
Zudem wurden bestehende Diagnosen neu eingeordnet:
Chronischer Schmerz wird erstmals als eigenständiges Krankheitsbild klassifiziert, unabhängig von rein symptomatischen Zuschreibungen.
4. Psychische Störungen – konzeptionelle Neuausrichtung
Das Kapitel zu psychischen Störungen wurde grundlegend überarbeitet.
Im Vordergrund stehen nun:
- dimensionale Beschreibungen
- Reduktion starrer Subtypen
- Ergänzung durch Schweregrade, Symptomprofile und Verlaufsangaben
Die ICD-11 nähert sich damit konzeptionell stärker dem DSM-5 an und fördert eine differenziertere klinische Einschätzung.
5. Einführung und Übergangsphase in Deutschland
International ist die ICD-11 seit dem 01.01.2022 gültig.
In Deutschland erfolgt die Umstellung schrittweise:
- weiterhin Nutzung der ICD-10-GM
- parallele Übergangsphase
- vollständige Umstellung voraussichtlich ab 2027
Für Ausbildung und Prüfung besteht aktuell kein Zeitdruck, eine inhaltliche Orientierung an der ICD-11 ist jedoch sinnvoll.
Zusammenfassung
Die ICD-11 ersetzt die ICD-10 nicht abrupt, sondern führt zu einer schrittweisen Modernisierung der Diagnostik. Sie ermöglicht eine differenziertere, weniger stigmatisierende und digital besser integrierbare Klassifikation. Für die therapeutische Praxis bedeutet dies vor allem: mehr Kontext, mehr Präzision und eine stärkere Orientierung an funktionaler Beeinträchtigung statt starrer Kategorien.
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